Oktoberfest Revival….

Moin zusammen…

Ich habe Dirndl-Stoff gekauft

$_57

und da fiel mir eine Geschichte ein, die ich anlässlich meines ersten Oktoberfestes geschrieben hatte, die ich euch nicht vorenthalten will… Wenn ihr mögt, taucht ein in meine Vergangenheit…

 

Biere werden getrunken, Ausreden gesucht und es wird ein wenig gejammert. 

Vor zwei Wochen war ich auf dem Oktoberfest. Nicht dem nachgemachten in Oberhausen, nein, in München, original auf der Wies`n. Ja, manchmal überrasche ich mich durchaus auch selbst. Vorrangig deshalb, weil ich einen virtuellen Freund aus Tirol treffen wollte, mit dem mich seit mehr als zwei Jahren eine nicht wirklich existente, aber doch unbestreitbar vorhandene Freundschaft verbindet, wenn man es denn so nennen möchte, mir fällt dazu gerade kein anderes Wort ein. Wird dringend Zeit, dass sich da einer Gedanken drum macht und virtuellen Freunden einen passenden Begriff verpasst. Aber vielleicht gibt es den ja schon, nur an mir ist er vorbei gegangen, weil ich sowas wie Internetfreundschaften schon aus Prinzip eigentlich ablehne. Eigentlich. ..

Ein weiterer Grund war meine Freundin, die Geburtstag hatte und deren sehnlichster Wunsch es war, dort herum zu streifen und da ich generell dazu neige, nicht Nein sagen zu können, wenn mich die Menschen, die ich liebe, um etwas bitten – hüstel – fühlte ich mich quasi gezwungen zu diesem Ausflug. Soweit zu den Ausreden.
Erstaunlicherweise beinhaltete das Oktoberfest mehr Erkenntnisse, als ich jemals vermutet hätte. Auf einen Nenner gebracht: ich werde alt und ich stehe dazu.
Die Vermutung, dass ich alt werde, hege ich im Geheimen schon etwas länger, doch nie wurde es mir bewusster, als an diesem besagten Wochenende. Kurz umrissen, ich schlief an drei Tagen 6 Stunden, was eindeutig nicht mit meinem Energiehaushalt konform geht und was meine beobachtete Theorie zu Nichte macht, dass ich, je mehr Tage mein Leben zählt, weniger Schlaf benötige. Von Hause aus ein guter Schläfer, neben dem man ganze Wohnsiedlungen hätte abreißen können, ohne dass ich mich gestört gefühlt hätte, habe ich in den vergangenen Monaten feststellen müssen, dass der vor Jahren von mir belächelte Satz meiner Mutter „Ich kann nicht so lange schlafen, mein Rücken, der macht das nicht mehr mit.“ mittlerweile auch auf mich zutrifft.

Soweit die Theorie, denn was ich in den letzten Wochen als Rückenprobleme nach zu langem Liegen betitelte, ist schlichtweg ein Mückenschiß. Das Thema Rücken traf mich erst mit voller Wucht nach gefühlten 20 Stunden Busfahrt von München nach Essen, als ich versuchte, letzte Station vor zu Hause, pinkeln zu gehen und dank schmerzender Knochen und Muskeln – man glaubt ja gar nicht, was im Körper eines so kleinen Menschen wie mir alles weh tun kann – nicht mehr aus dem Sitz kam und dachte, kerr, lass einfach fließen, wird’s wenigstens warm am Arsch.

Nach durchzechter Partynacht von Donnerstag auf Freitag mit vier Stunden Rausch ausschlafen und anschließendem zwei Stunden im Bett liegen und die Ereignisse bzw. Männer vom Abend durchkauen, hatte ich mir fest vorgenommen, am Freitag Nachmittag nochmal ordentlich zu pennen, bevor ich um 23 Uhr bei meinem Schneggchen auflaufen sollte. Die Rechnung hatte ich allerdings ohne meinen Kontrollwahn gemacht, der mich dazu veranlasste, die ausgerechneten Stunden Schlaf, unruhig im Bett zu wälzen, um ausgiebig darüber nachzudenken, was ich an Verpflegung mit für die Fahrt nehmen muss, was ich anziehe, ob meinen Katern auch nur nichts passiert und ich daran denken muss, alle elektronischen Geräte auszuschalten. Selbst mein Anschiß, der mich zur Ruhe rufen sollte, half da nichts.

Da kann man das selbst noch so lächerlich finden, welche Gedanken man sich macht und das die doch nicht altersgemäß sind und wann genau eigentlich die Erziehung meiner Eltern Früchte getragen hat. Sowas muss ausgedacht werden und wenn nötig bis in jegliches Detail eines drohenden Unheils. Feuerausbruch in meiner Wohnung, Unfall auf dem Weg nach München mit anschließender Verwesung meiner Kater und wer würde überhaupt auf meiner Beerdigung heulen. Wenn man schon zum Drama neigt, dann auch bitte richtig. Macht sonst keinen Spaß.

Der erste wirkliche Schock ereilte mich, als wir unseren Plätzen im Bus – natürlich ein Doppeldeckerbus, das war auch wohl das Einzige, was ich vorher nicht in meinen Endzeitstimmungfantasien aufgenommen hatte, denn ob so ein Bus überhaupt den Elchtest bestehen würde, kann man noch während der Fahrt auseinander pflücken, Zeit genug ist ja – zugewiesen wurden und nach und nach die weiteren Fahrgäste eintrudelten. Wir nüchtern, die besoffen und in Partystimmung sagt so ziemlich alles. Der Drang nach Alkohol stellte sich binnen fünf Minuten ein und die Hoffnung auf Schlaf starb ein jähes Ende in der gleichen Zeitspanne.

Und da waren sie, die üblichen Verdächtigen. Der Spaßmacher; der Revoluzzer; die Mutter Theresa; die, die an ihrem Husten bald krepiert; die, die in High Heels und Ausschnitt bis zum Bauchnabel zu schön sind, um zu frieren; die Familie, die sich aufmachte zu einem vergnüglichen Fußballabend bei Bayer München und die deren Arroganz bereits verinnerlichte, denn mit dem Rest des Busses, also dem Fußvolk, wollte man besser nichts zu tun haben; der, der so tut, als würde er schlafen und fremde Weiber durch kleine Augenschlitze angafft oder deren Brüste; der, der den ganzen Bus mit seinem lauten Organ zusammenbrüllt und der auch immer, aber auch immer direkt in meiner Nähe verweilen muss; die, die sich freut auf ein Abenteuer, neben mir und ich, die ich nicht glauben wollte, dass ich tatsächlich da sitze, wo ich sitze. Passend dazu hatte ich Sibylle Bergs Buch „Ende gut“ mit, welches mit dem Untertitel „Die Menschheit war schon immer scheisse“ wirbt.

Den Blick ins Buch habe ich mir gespart, die Realität kann um vielfaches vergnüglicher sein. Banal ausgedrückt, irgendwie ist es befremdlich, dass selbst auf diesem Weg, den alle machten: sich sinnlos besaufen, mal was anderes sehen wollen und nicht darüber nachdenken, was daheim alles in Unruhe und Unordnung ist, also kurz gesagt, alle nur an dem unverbindlichen, nicht nachdenkendem Spaß Interesse hatten, der sie aus ihrer Alltags-Lethargie reißen sollte, dass es da immer noch Stufen einer Hackordnung gibt und einer besser ist als der andere, obwohl alle ein gleiches Ziel antreibt. Die Aufhebung eben dieser Kastengeschichte wurde erst vollzogen, als wir alle zu müde und zu besoffen waren, um Anstand zu wahren. Oder anders; die WM-Hysterie, wir sind ein Volk und lieben uns alle, braucht eben seine Zeit ohne Fußball und Rudelgucken.
Der zweite Schock stellte sich ein, als wir ohne jegliche Vorwarnung um 9.30 Uhr direkt an der Wies`n herausgelassen wurden, mit der Mitteilung, dass man sich doch bitte jetzt schon um ein Zelt kümmern sollte, da man sonst keine Möglichkeiten mehr hat, ins Warme zu kommen. Voller Tatendrang ging es also auf zum Hippodrom, welches das Zelt für den trendbewußten Wiesnbesucher sein soll.
Ja, da stehste dann morgens, ohne einen Kaffee getrunken zu haben, in einem Pulk von Menschen vor einem Zelt in poppig Orange im Nieselregen und fragst dich, was das eigentlich alles soll und wozu und warum du, verdammt nochmal, nicht in deinem warmen, weichen Bett liegst, wie es anständige Menschen tun würden. Nicht ahnend, dass der schlimmste Teil des Morgens noch vor dir ist, obwohl du gedacht hast, den haste bereits mit dem Blick in den Spiegel hinter dich gebracht. Punkt 10 Uhr fiel der Startschuss, der alles, was ich je im Fernsehen sah, zu einem einzigen Gefühl verband. Panik, absolute Todesangst. Die Türen des Zeltes öffneten sich, Menschenmassen strömten von überall herbei und du mittendrin. Ein Geschiebe, ein Gezerre, Ellbogen in deinen Rippen von Menschen, die dich eine Sekunde vorher noch anlächelten mit der lauten Frage in den Augen, ob du wohl zum Ficken taugst. Ich erinnerte mich vage an Bilder aus vergangenen Sommerschlußverkaufszeiten und nahm die Hysterie in mich auf.
Wenn dein einziger Gedanke „Jetzt fall hier nicht um, sonste wirste tot getrampelt“ an einem Samstagmorgen im Regen in München stattfindet, solltest du dir wirklich Gedanken darüber machen, ob dein Leben in den richtigen Bahnen verläuft, aber dazu kommst du nicht mehr, weil dein Überlebenswille dir nur noch einen einzigen Instinkt ins Gehirn schickt: ATMEN! ATMEN!
Genau in dem Moment, als ich wirklich dachte, jetzt ist es vorbei, du hast keinen Platz mehr zum Luft holen, weil das Gruppenkuscheln um mich herum, ein Ausmaß angenommen hatte, welches ich nicht für möglich gehalten hätte und mein Kopf absolut leer war und ich nur noch von dem Bedürfnis, leben zu wollen, angetrieben wurde, löste sich der Menschenknoten so schnell auf, wie er sich zusammen gefunden hatte und bevor ich wieder genügend Sauerstoff in der Birne hatte, um überhaupt denken zu können, sah ich die ersten Trachtenträger ihre erste Maß anheben. Das sind Bilder, die werde ich im Leben nicht mehr aus der Rübe kriegen. Ich wusste nur eines, hier biste derart falsch wie eine Katze im Pitbullzwinger.
Mit nachlassendem Adrenalin forderte gleich mein Alter seinen Tribut und ich bat meine 4 Jahre jüngere Freundin, die aussah, wie eine Alpenwiese in frisches Grün getaucht, darum, einfach nur in die Stadt zu fahren, um erst mal ausgiebig zu frühstücken. Was wir dann auch taten. Kaffee kann wirklich milde auf die Seele wirken, so dass sich Stadtrundfahrten und Weißwürste und betrunkene Menschen um einen herum irgendwie nicht mehr wirklich anfühlen.

Im Grunde kann ich die weiteren Stunden gar nicht mehr detailliert wiedergeben, da es mir scheint, als habe ich nicht daran teilgenommen, sondern mich nur, durch einen Nebel von Schlaflosigkeit und Alkohol, beobachtet. Es wurden Menschen kennengelernt, abstruse Karussells ausprobiert, noch mehr Bier getrunken und Menschen kennengelernt und noch mehr Bier getrunken, welches in Bayern auch irgendwie besser schmeckt als im Pott. Ja, entgegen der Fotos, die man sieht, habe ich auch gelacht. Ich weiß es nur nicht mehr, da die Gedanken, wann genau die Wende in meinem Leben stattfand, dass ich das Wochenende Mittwochs abends begann und Sonntags morgens mit Leichtigkeit und voller Energie beschloss, ohne mich je dazwischen nach meinem Bett gesehnt zu haben, einfach Überhand nahmen.
Besagte Freundin hatte noch am selben Abend beschlossen, nächstes Jahr wieder zum Oktoberfest zu fahren und ich glaube, ich habe zugestimmt. Muss ich sie nochmal fragen, wenn ich mich erholt habe. Eines steht allerdings definitiv für mich fest, auch wenn ich nie gedacht hätte, so einen Satz mal zu sagen, geschweige denn zu schreiben: Nur noch mit Hotel und nur noch mit Reservierung.
Ein Prosit auf die Gemütlichkeit!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s