Zuckerwattenplüschromantik trifft Realität

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Mit viel Liebe genäht. Das Bild habe ich bei DaWanda geklaut.

Ich frage mich immer, wie das gehen soll. Überall wo man hinguckt, ist alles mit Liebe gemacht. Und oft ist es dann eigentlich nur mal eben hingerotzt und man sieht das auch.

Wie soll das mit Liebe nähen eigentlich aussehen. In meiner Vorstellung sitzt da ein elfengleiches Wesen mit Bilderbuchlächeln und näht singend vor sich hin. Wie Disney.

Mal ehrlich, ich nähe nix mit Liebe. Überhaupt nicht. Ich hasse es schon mal total, mit Schnittmustern zu hantieren. Dabei ist es völlig egal, ob ich das Ding erst kleben muss oder noch abzeichnen. Es ist mir lästig. Ohne Punkt und Komma.

Zuschnitt ist der nächste Schritt, der mir schlichtweg auf die Nerven geht. Manchmal sogar das Stoffe aussuchen zum Projekt. Weil es dauert und ich mich oft ewig nicht entscheiden kann.
Bei kleinen Dingen, kann das mitunter Stunden dauern, bis alles zusammenliegt, dass ich zufrieden bin.

Beim Nähen fluche ich.
Ich fluche, wenn ich total schöne, kilometerlange Nähte ohne Unterfaden genäht habe.
Ich fluche, wenn meine Hedwig beim Annähen den Oberfaden wieder ausspuckt.
Ich fluche, wenn mir irgendwas nicht gelingt.
Ich fluche, wenn ich über WendeÖffnungen drüber nähe.
Ich fluche, wenn ich mit dem Nahtauftrenner arbeiten muss.
Ich fluche, wenn Hedwig zickt und dicke FadenVerschwörungen produziert.
Ich fluche, wenn ich mir selbst was ausdenke und es nicht funktioniert.
Ich fluche, wenn ich mir die Stecknadeln in die Finger jage.
Ich fluche, wenn das Teil im Anschluss nicht sitzt.
Ich fluche, wenn ich Anleitungen nicht verstehe.
Und immer so weiter.
An meiner Tür könnte durchaus das Schild stehen „ach, was ist das denn für eine Scheiße“

Oder ich brauche Aufnäher mit dem Spruch: mit viel Meckern genäht.

Das ist aber ok. Bei den meist befluchten Dingen bin ich dann am Ende auch stolz wie bolle.

Also nix Zuckerwatte. Ich nähe mit Hingabe. Mit Eifer. Mit Ehrgeiz.
Ab und an verliebe ich mich in ein fertig genähtes Teil und schlöre es unentwegt. Aber mit Liebe genäht? Weit gefehlt.

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Bastelschaf sagt:

    Hallo liebe Frau Lohse! Du hattest mir doch mal Fotos deiner Nähecke geschickt, für meine Sammelgalerie.. Aus unerfindlichen Gründen hat sich das Foto auf der Seite vaporisiert und ist auch in meiner Mediathek nicht mehr zu finden! aaargh!
    Hast du es noch und magst du es mir nochmal schicken, damit ich es wieder einfüge, wo es hingehört?
    Danke!!
    Liebste Grüße
    Bastelschaf

    P.S.: Dann bin ich ja froh, dass nicht nur ich beim Nähen voll genervt bin 😉

    1. Frau Lohse sagt:

      Ja gerne. Das ist wohl eliminiert worden, weil es nicht mehr stimmt. 😀

      Nach dem Umzug hab ich ja jetzt ein eigenes Zimmer. Aber richtig zusammen ist das immer noch nicht.

      1. Bastelschaf sagt:

        Ach, ich nehm auch halbfertige Zimmer 😉
        Ich ziehe vermutlich auch bald um und würde ja soooo gerne ein eigenes Bastelzimmer haben! Daumen drücken, dass das klappt!

  2. Nephtyis sagt:

    Liebe Frau Lohse. Ich verstehe deine Worte sehr gut und finde es gut, dass du auch die Dinge schreibst die beim Nähen schief gehen können bzw warum man nicht nur in Liebe werkelt:D Denn da geht viel schief. Doch trotz allem muss ich für mich sagen, ist tatsächlich bei mir alles mit Liebe gemacht. Mit Schweiß und Herzblut, Ich nähe nichts, was mich nicht bewegt, hinter dem ich nicht stehe. Kreativ sein ist für mich eine Herzenssache, Verwirklichung und ausleben meines Schaffensdranges, mit all seinen facetten von Freude bis blanker Wut und Nähmschine aus dem Fenster werfen wollen um am Ende die genähte Sache mit Herzchenaugen zu betrachten 😀 Liebste Grüße Eva 😉

    1. Frau Lohse sagt:

      Liebe Eva. Dann bist du vielleicht auch die gesuchte Disney Königin. Ich möchte auch niemanden damit angreifen. Bei dir sehe ich auch dieses mit Liebe gemacht nicht plakativ. Man spürt auch, ob jemand hinter dem steht, was er macht. Da braucht es einen solchen Stempel auch nicht.
      Wenn du dich aber in den diversen nähGruppen einmal umsiehst, dann merkst du recht schnell, dass Liebe nicht das richtige Wort ist. Sondern Herdentrieb. Bei dir sehe ich nicht, die neueste eigenProduktion, die so schnell wie möglich verarbeitet sein muss, um vor anderen anzugeben. Bei dir sehe ich eigene Gedanken. Verstehst du, worauf ich da hinaus wollte, mit dem Beitrag? Ohne jetzt zig Beispiele zu benennen?

      Du möchtest deine maschine auch mal aus dem Fenster werfen. Insofern bezeichne ich Eifer und Hingabe als die treffende Wortwahl. Der Trend ist aber anders.

      Jetzt durch deinen JahresRückblick überlege ich schon, ob ich den Artikel zu allgemein gehalten habe. Ich möchte nämlich niemanden Liebe absprechen, wo sie ist.

      Dennoch glaube ich, dass es auf die Allgemeinheit nicht zutrifft. Dass Geld ein Motiv ist oder Anerkennung. Aber Liebe. Nein.

      Beste grüße, Nicole

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