Frau Lohse kotzt sich frei. – Ein Nostalgietrip

Moin zusammen…

nachdem die zweite Hauptrolle meiner Blogeinträge von 2008/2009 soviel Spaß dabei hatte, die alte Oktoberfeststory zu lesen, habe ich nun einen weiteren Leckerbissen aus der Nostalgiereise. Hab viel Spaß beim Lesen, ich fütter dich nun dann und wann mit der richtigen Reihenfolge ab. 😀

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Männer werden analysiert, Selbstzweifel unterdrückt, ein oder fünf Cocktails getrunken und wir lernen Paul kennen, der aber auch nichts zur Sachlage beiträgt

Mich hat es immer gegraust davor. Immer schon. Gackernde, noch nicht ganz besoffene, aber  des Lebens bereits entrückte Weiber, die Plattitüden über Männer im Stammtischformat über den Tisch kotzen.  Ich hab nicht mal Sex and the City geschaut, sondern mich angewidert weggedreht, wenn dieses Thema irgendwo – meistens im Job – aufkam. Und nun stecke ich mittendrin. In Sex and the City. Naja, nun, unsere City ist schnell durch, also nur Sex. Wie ist das passiert? Ich weiß es nicht, es geschieht halt so.  Der Mensch braucht Rituale und Strukturen, sonst geht er unter mit dieser ganzen verdammten scheiß Zeit, die er nicht weiß, totzuschlagen, wenn er sie nicht mit Arbeiten und Familie und Sex oder sowas  Ähnlichem verbringt. Also wird sich getroffen, schön wöchentlich, immer am gleichen Ort, immer zur gleichen Zeit, deren Spanne so zwischen 5 Minuten bis hin zu einer halben Stunde Verspätung beinhaltet, wie Frauen so sind. Oder auch nur ich. Danach wird geplappert bis einem der eigene Wortschatz beinahe schon auf den Nerv geht. Die Woche wird durchgekaut und sobald man alles Unwichtige, also Job und Familie und Freunde und sonstige Dinge, die einen so von dem wirklichen Leben abhalten, durchhat, geht’s auf in die ungebremste Emotions- und Hobbypsychologenecke. Sprich; was hat welcher Mann gesagt und eigentlich damit in Wirklichkeit gemeint. Eigentlich, eigentlich, eigentlich. Von wem redest du da eigentlich? Wer ist das denn und wann wurde der eigentlich wichtig für dich und dein Leben? Und wo ist eigentlich Paul? Wer ist eigentlich Paul? Eigentlich der von letzter Woche. Eigentlich. Kann auch schon länger her sein, weiß ich nicht mehr so genau. Egal.
Da wird aus einer astreinen Abfuhr auch schon mal eine, aus Selbstschutz des Mannes –  ja Moment, ist der nicht der Jäger? Wovor hat der Angst und wieso? Widerspricht es nicht seinem Naturell? Aber wir lassen uns ja gerne mal was erzählen, wir sind ja lernfähig  – normale psychologische Reaktion, weil er mit unserem Draufgängertum nicht klar kommt. Schließlich haben wir zu sammeln und artig in der Weltgeschichte auf unseren Retter in schimmernder Rüstung zu warten, der uns dann vor dem bösen, großen Wolf rettet, mit dem wir aber eigentlich lieber ficken wollen, aber keine Kinder zeugen möchten. Oder so ähnlich. Man weiß es nicht genau. Fest steht jedenfalls, der Mann will uns, kommt aber gerade nicht mit seinen Gefühlen klar und wir werden dem das schon zeigen. Was wir dem zeigen ist, dass Frauen, wenn sie erst mal einen Korb kassiert haben, verdammt einfach ins Bett zu kriegen sind. Ganz ohne Lügen. Bin ich schon drin? Das ging ja einfach. Dabei haben uns schon unsere Mütter beigebracht, dass der Weg zum Herzen eines Mannes nicht ist, ihm unseren Arsch unverhüllter weise entgegenzustrecken. Aber was wissen die schon, wir leben in 2008, da ticken die Uhren eben anders. Das anschließende Geheule werde ich hier mal überspringen, denn heulend sieht keiner wirklich schön aus und schön sind wir ja. Das ist nun mal ein Fakt. Nach drei Tagen Rumliegen und Gezeter und Geheule und dem Satz „Das war der Eine, ich weiß es ganz genau!“, wenn überhaupt,  geht’s weiter, von Paul zu Peter. Von Peter zu Micha und von Micha zu Scheissderhunddrauf, diese ganzen Namen kann sich doch nun wirklich keine Sau mehr merken. Also wieder Peter, weil; mit Peter war der Sex irgendwie auch gut, so im Nachhinein betrachtet, wenngleich Paul, das Drama in fünf Akten als Gesamtpaket viel besser war;  aber eigentlich, so schlecht ist Peter nun auch nicht und den kann man so schön von einer Kunstveranstaltung zur nächsten schleppen, denn alleine dahin gehen, nee, das geht nun wirklich nicht. Pusht einem ja keiner das Ego, wenn man da so vor sich hin steht und irgendwelche Bilder  auf sich wirken lässt. Dann doch lieber in die nächste Abschleppbude, das kommt schon besser. Und überhaupt, eigentlich hat man selbst für Kunstscheisse keine Zeit, wirken lassen ist nicht drin. Im Schnellzug Kunst gucken und Männer kennenlernen taugt da eher was. Haste der Zeit doch ein Schnippchen geschlagen. Kannst du stolz sein drauf.
Wenn ich mir überlege, welche Männer ich bei diesen wöchentlichen Saufaktionen schon bis zum Erbrechen durchgekaut habe, obwohl sie mich weder interessierten, noch irgendeine Rolle für mein Leben spielten, dann scheine ich sonst wohl keine Hobbies zu haben. Irgendwie muss man die Zeit rumkriegen. Und wichtig: alleine ist man dabei auch nicht. Überhaupt Hobbies, kann man die finden, finden die einen, wie geht das mit den Hobbies?  Das hat mir auch noch keiner erklärt und das Thema wurde nicht ansatzweise in unseren Gesprächsrunden derart vertieft, wie wir bereits in Paul gedrungen sind. Muss ich nochmal nachhaken.
Dabei: Was bringen diese Pauls und Peters eigentlich? Kann man die stapeln? Sortieren? Muss ich die alle in ein Buch eintragen? Und dann an meinem Todestag werde ich stolz ob der Anzahl von Menschen sein, die ich nie wirklich kennenlernte, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, sie zu analysieren oder Kunst mit denen zu gucken? Die mich kurzweilig vor meiner inneren Leere retten sollten und die eine noch größere Leere hinterließen, ohne wirklich wichtig zu sein?
Parties = Drive in für Männer oder mit ihnen, ist egal. Im Anschluss fühlt man sich schwer und möchte kotzen.  Den Ansatz, dass „Fast Food Mann“ an sich ja auch nicht wirklich glücklich macht und ob es denn nicht sein könnte, dass die Männer keinen Bock hatten, weil sie merkten, dass uns an ihnen gar nicht wirklich als Person gelegen ist, wurde im Ansatz mit Tequila ersäuft, hätte doch eh nur Selbstzweifel geschürt. Und wer braucht schon Selbstzweifel, die Drecksau, die.  An der Spitze ist es halt einsam, musste durch. Akzeptieren lernen. Kommen eh andere, vielleicht bessere.
Aber wenn ich das gar nicht mehr will? Was mache ich dann mit unseren Cocktailabenden? Der Struktur, die ich mir geschaffen habe und die ich auch irgendwie nicht missen möchte. Abweichen vom Thema wird ja gerne mal mit Ignoranz bestraft. Oder bösen Blicken, wenn es an die eigene Psyche geht. Will man gar nichts mit zu tun haben, so mit sich selbst.
Wirken lassen, hätte schon mal was. Werden schon kommen, wenn sie was wollen. Und wenn einem das Leben so passiert und man das gerne annimmt und hinnimmt, wieso fällt es so schwer, den Mann als solches passieren zu lassen und die Zeit dazwischen mit Inhalten zu füllen? Also wirklichen und keinen versponnenen. Und hat Verlieben und Lieben wirklich was mit Leiden zu tun? Kommt die  nicht leise, die Liebe? Oder doch wie ein donnernder Paukenschlag? Besteht sie nicht aus diesen kleinen Momenten, die uns unendlich machen, die uns vergessen lassen, was Zeit überhaupt ist? Warum habe ich es dann so eilig und vor allen Dingen so laut?

Fragen über Fragen. Gar nicht so einfach, das Leben

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