Schweigen ist ein Arschloch. – Wortkotze Tag

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Frau Lohse kotzt sich frei…

Lange ist es her, aber heute ist wieder Wortkotze Tag.

Es gibt ja immer wieder so Themen, die mich aufregen. Nun bin ich generell so ein Mensch, der schnell auf 180 ist, aber so schnell, wie ich unter der Decke hänge, so schnell hab ich mich auch wieder ein bekommen und entschuldige mich meist auch für meine Wortkotze, wenn es was zu entschuldigen gibt. Frei nach dem Motto „Gut gebrüllt, Löwe“ mache ich meinem Sternzeichen da alle Ehre, dafür aber bin ich nicht nachtragend. Jedenfalls schreibe ich mir diese Eigenschaft zu.

Was ich viel schlimmer finde, als mal eben kurz zu explodieren, sind die „alles ist gut“ Menschen, denn meist ist es etwas, was einen ja doch schon länger beschäftigt und irgendein klitzekleiner Tropfen war dann eben zu viel, jedenfalls kommt auf den Tisch, was schon lange fällig ist. In der Ereiferung schießt man dann schon mal über das Ziel hinaus, aber ich kenne es so, dass man danach das wirkliche Gespräch aufgreift, redet, sich mit dem Thema beschäftigt und dann ist es gut, man ist sich danach viel näher und überhaupt ist es besser als den Handfeger zu holen und den Teppich anzuheben. Die „alles ist gut“ Mentalität ist mir wahnsinnig fremd.

Ich bin aufgewachsen in einem sehr lauten Haus, ich weiß gar nicht, ob es wirklich so laut war oder eben ganz normal, wie das so ist mit drei Kindern im Hause, die allen den Feuerzeichen angehören und damit einen sehr starken Willen haben. Da wurde getobt, geschrieen, gekreischt, gerannt, diskutiert, gestritten und doch wieder an einem Strang gezogen. Ich wurde erzogen, dass ich sage, was ich denke. Das ist etwas, was mir im Laufe meines Lebens nicht immer zur Ehre reichte, denn im Grunde ist es so, dass die meisten Menschen lieber doch keine subjektive Ehrlichkeit erwarten, sie wollen, dass du schön lügst. Oder hinter deinem Rücken redest. Was auch immer.

Nun wollte ich ja über Schönwetter Menschen reden. Das ist für mich wie Indien, ich verstehe es einfach nicht. Menschen, die immer schön an der Oberfläche bleiben, allen Problemen aus dem Weg gehen und nie sprechen, über sich, über ihre Gedanken, Gefühle, über die Dinge, die sich zwischen zwei Menschen stellen, die zu viel Interpretationsspielraum haben. Interpretation mochte ich schon in der Schule nicht, weil ich immer falsch interpretiert habe und außerdem mein Gedanke war, was soll ich da interpretieren, einzig der Mensch, der es gesagt oder geschrieben oder gemalt hat, weiß wirklich, was er damit sagen wollte oder manchmal auch eben nicht.

Schönwettermenschen neigen im Problemfall zum Schweigen, stellen sich tot, legen sich auf den Rücken, igeln sich ein, du kommst an sie nicht heran, nicht an das Gespräch, welches du suchst, welches bitter nötig wäre, nicht an den Menschen, es ist, als wäre diese Mauer, die sie da stetig um sich haben, mit einer Dornröschchenrosenwand verstärkt worden. So als wahrer Drachenkämpfer neige ich dann dazu, die Mauer zu sprengen, zu überwinden, sie niederzureißen, aber an diesem eiskalten Schweigen gehe ich kaputt, die Dornen des Schweigens ritzen mir in die Haut und auch ins Herz. Und dann werde ich wieder wütend. Über das Schweigen. Ein Teufelskreis ist das. Und dann fängt das Interpretationskarussell wieder an. Was bedeutet dieses Schweigen, ist es ein Abstrafen, eine Schutzmauer. Es fühlt sich so an, als wäre man der Worte nicht wert. Traurigkeit verwandelt sich dann bei mir in Wut und Anklage, es wird nicht besser.

Man müsste meinen, dass man im Alter mit solchen Dingen nichts mehr zu tun hat, aber dennoch, Menschen sind schwierig in all ihren Facetten und das größte Problem ist wohl immer, dass wir nicht wissen, was andere Menschen denken, wir sie dann interpretieren und wegen unserer eigenen Gedanken beleidigt sind und dennoch.

Schweigen ist ein Arschloch. Kennt ihr auch so Schweiger? Wie geht ihr damit um?

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Peggy Schalk sagt:

    Nicole… das hast du sehr schön geschrieben und ich denke genauso. Ich habe mir mit meiner Ehrlichkeit schon so viele „Feinde“ gemacht, obwohl ich immer, wenn mir was auf dem Herzen liegt, versuche, es quasi nett zu verpacken. Mache mir also im Vorfeld Gedanken, wie ich was sage. Trotzdem geht das manchmal nach hinten los, weil ich einfach missverstanden werde und irgendwann habe ich dann auch keine Lust mehr, mich ständig für das Gesagte zu rechtfertigen. Dann habe ich eben meinen Freundes-oder Bekanntenkreis etwas „aufgeräumt“ und was soll ich dir sagen- es befreit, tut nicht weh und tat mir im Nachhinein gut… weil die Leute mich nicht vermissen und sie mich auch nicht nach vorn gebracht haben. zu dem Thema Ehrlichkeit ist mein Motto. “ Wahre Worte sind nicht immer schö, aber schöne Worte sind nicht immer wahr!“
    in diesem Sinne.. schönes Wochenende- ich düse dann mal morgen für 3 Tage nach Sylt. Bisschen abschalten und den Wind um die Nase wehen lassen 🙂

  2. Sebastian sagt:

    Hello 🙂

    Zu der Fraktion „nichts sagen“, gehöre ich wohl auch. Warum? Weil ich es vermutlich nie wirklich gelernt habe vernünftig zu diskutieren. Während es in deiner Kindheit immer laut war und man diskutieren durfte bzw. musste, war es in meiner eher so „die anderen haben Recht und du musst Rücksicht nehmen“.

    Meine Schwester war ein Biest, das kann ich nicht harmloser ausdrücken, sie war es die angefangen hat zu ärgern und egal was war … den Anschiss habe ich bekommen. Bis zum Ende Ihrer Pubertät war es die Hölle!
    Weil Worte es oft nicht brachten, habe ich auch nach ihr geschlagen, so kräftig ein kleiner Steppke nur schlagen kann ^^. Obwohl ich eigentlich nicht angefangen hatte, war somit trotzdem ich immer Schuld – sie war ja die Schwächere und ich sollte darauf Rücksicht nehmen! Worte richten nichts aus und umbringen durfte ich sie auch nicht 😦

    Das Ergebnis war immer das gleiche. Nachher habe ich gar nichts mehr gemacht, sondern mich in mein Zimmer verzogen und darum gehofft in Ruhe gelassen zu werden.

    Zwischen meinen Eltern wurden Konflikte auch nicht wirklich ausgetragen, von denen konnte ich also auch nichts lernen.

    Erkennst du zwei Möglichkeiten, warum Menschen so sind? Meiner Meinung nach haben Sie es nicht gelernt, vielleicht auch schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht die während Diskussionen laut werden, oder vielleicht auch einfach zu wenig Selbstbewusstsein, um Ihre Meinung offen vertreten zu können. Aber was die einen als Problem empfinden, ist für die anderen vielleicht gar keins!? Wer weiß das schon ^^

    Einmal kurz mitgekotzt!

    Ich wünsche dir ein tolles Wochenende!
    Sebastian

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