Wortkotze Tag – Wtf willste mir bloß zeigen? Nähwerk oder Foto?

Moinsen liebste Bloggemeinde,

mir stößt in der Nähszene schon seit längerem etwas auf und zwar geht es um das Thema Fotos. Es wird im Grunde immer doller gephotoshopt, die dollsten Kulissen, Einstellungen, Fotoleinwände und was weiß ich nicht alles müssen her. Bisweilen sind einige Bilder wirklich schön anzuschauen und andere sind lustig, weil sie eine „Fotocomicstory“ zusammen ergeben. Ein bisschen  Unterhaltung darf durchaus sein. Denn: Wenn es einen Anlaß dazu gibt, schmunzel ich gern einmal.

Jetzt folgt natürlich wieder das große ABER. Mir geht diese ausgefallen – ausgefallener – am ausgefallensten Bildershow massiv gegen den Strich aus mehreren Gründen.

Das erkläre ich gerne anhand eines Fotos, welches ich jetzt hier nicht zeige, aber beschreibe: Ein Mädel steht an einer Brückenbrüstung, Wind geht, dolle Architektur im Hintergrund. Ich habe eine geraume Weile überlegt, ist es ein Stadtfoto, eine Szenerie, ein Personenfoto, ein Nähfoto?  Ja was zur Hölle nur soll ich mir auf dem Bild ansehen? Das Tuch, die Hose, das Shirt, den Hut? Ich wußte es wirklich nicht. Das Foto war wirklich schön, keine Frage, aber was sollte ich denn damit anfangen? Es ging schlußendlich um das Tuch, glaube ich, sicher bin ich mir auch nicht mehr. Ich sah weder das Teil ordentlich, noch aus welchem Stoff es war, wie es saß (ihr erinnert euch – es war windig), noch wie es genäht war.

Es ist wirklich, wirklich schade, dass es vielmehr nur noch um spektakuläre Fotos geht und nicht mehr darum, wie das Teil genäht wurde, ob es gut genäht ist oder nur schnell zusammen getackert. Es liegen Welten zwischen den Nähkünsten und es ist für jeden Kunden ein Ärgernis, wenn dieses auf den Spring, Hüpf, Badefotos nicht mehr wirklich zu sehen ist. Dabei ist ein Foto mit dem Augenmerk auf das Nähwerk gar nicht langweilig und übrigens auch gar nicht so einfach. Vielleicht sogar schwerer, als Bilder im Kornfeld in der blauen Stunde. Oder ist es mittlerweile zwingend notwendig, dass ich lerne, wie ich richtig mit Photoshop umgehe, um dieses und jenes zu verändern, oder dass ich einen Profifotografen brauche, um überhaupt noch irgendwie aufzufallen?

Ich fühle mich da auch immer gezwungen, einen drauf zu setzen, aber es wird auch weiterhin nur Treppenbilder oder Gartenbilder geben. Ich bin froh, überhaupt Zeit zum Nähen zu haben, da kann ich wirklich nicht noch mit Profifotografen in der Weltgeschichte umhergondeln.

Mädels, back to the roots, ich sehe mir gerne Nähwerke an, wirklich gerne, wenn ich Landschaftsbilder sehen will, dann geh in der Fotocommunity gucken, denn die können das nämlich auch richtig. Tut ihr das, was ihr könnt, nämlich nähen und zeigt, wie gut ihr das könnt. 🙂

Bestes Gegrüße, Frau Lohse

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13 Kommentare Gib deinen ab

  1. Peggy Schalk sagt:

    uppsss… mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen… heute morgen habe ich mir genau über das Thema Gedanken gemacht. Haben eigentlich alle (außer wir beide) ein Kornfeld vor der Tür? Oder machen sie ganze Familienausflüge weit weg, um dann die Sachen zu fotografieren? (am besten noch mit Koffer voller genähter Sachen- soll sich ja auch lohnen- so ein Shooting).. Naja- ich werde mich auch nicht aus meinem Garten hinausbewegen und fotoshoppen kann ich auch nicht.
    Bestes gegrüße zurück 🙂

    1. Frau Lohse sagt:

      Katja isset mal verziehen mit dem Strand vor der Tür. Aber besonders bei dem oben angesprochenem Foto fiel mir das so auf. Ich wußte wirklich nicht, was ich mir da ansehen sollte. Und ab da hört es eigentlich wirklich auf. 🙂

  2. Sebastian sagt:

    Das Thema könntest du auch auf andere Sachen wie Instagram mit den Essens-Fotos oder YouTube mit seinen Videos ummünzen. Finde es auch immer schade, wenn man auf die Art ab vom eigentlichen Thema kommt und sich die Zeit fürs Wesentliche klaut.

    Habe gerade ein Buch gelesen, wo es um Menschen geht, die sich innerhalb von Gruppen gerne herausstellen wollen: Das soll wohl daran liegen, dass man sich selbst nicht genug ist. Vielleicht passt das ja ganz auch ganz gut zu den Nähsachen!? Wer von seinem Meisterwerk überzeugt ist, braucht kein Brimborium ^^

    Von mir auch beste Grüße 🙂

    1. Frau Lohse sagt:

      Huhu Sebi, long time no see. Wie geht es dir denn? Erzähl mal mehr über das Buch 🙂

      1. Sebastian sagt:

        Gut geht es mir! Wie geht es dir denn?
        Bin jetzt schon seit einer Weile Facebook frei. Vermutlich deswegen „long time no see“. Aber deinen Blog verfolge ich immer noch – jeder Beitrag eine Nachricht im Feedreader ^^

        Meine Beschreibung zu dem Buch ist falsch x-D … es geht nicht um Menschen die sich herausstellen wollen, sondern sie werden darin erwähnt. Der Titel ist auf jeden Fall „So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen“, Autor Rolf Merkle. Ein kleiner Ratgeber mit Übungen für mehr Selbstvertrauen und einigen Erklärungen dazu, wodurch mangelndes Selbstvertrauen entsteht.

        Zu dem erwähnten Verhalten in Gruppen schreibt er auf jeden Fall folgendes:
        „Beobachte einmal Menschen in einer Bar oder bei einem geselligen Zusammensein. Du wirst feststellen, dass fast jeder versucht, sich durch seine Kleidung, seine Worte und sein Verhalten in ein gutes Licht zu rücken. Jeder ist damit beschäftigt, wie er auf die anderen wirkt, und jeder versucht, so interessant wie nur möglich zu sein, um die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu lenken.
        Was ist die Folge davon? Da jeder nur mit sich selbst beschäftigt ist, hat keiner Augen und Ohren für den anderen.

        Wenn wir uns dagegen selbst mögen, wenn wir andere Menschen und deren Liebe nicht missbrauchen müssen, um das Gefühl zu haben, wer zu sein, dann und nur dann können wir selbstlos sein. Dann fühlen wir uns nämlich vollwertig und vollständig. […]“

        Demnach kannst du dich glücklich schätzen, weil du dir persönlich reichst 🙂

        Wünsche dir nen tollen Tag!

        Bestes Gegrüße
        Sebastian

        P.S.: Das Buch was du mal erwähnt hast, von Katie Byron „Lieben was ist“, hat mich total begeistert. Danke für den Tipp 🙂

      2. Frau Lohse sagt:

        Moin, moin. Facebookfrei zu sein ist auch sehr fein. 🙂 Katies Buch ist dem Buddhismus im Grunde auch sehr ähnlich, wie ich meine, aber so einfach im Prinzip. Auch die 4 Fragen finde ich genialst. Es ist so eine leichte Übung, die einem echt manchmal aus dem Gedankenkarussel hinaushelfen kann. Denn im Grunde ist es ja wirklich so, wir sind zumeist wegen unserer eigenen Gedanken beleidigt. Für mich persönlich war es auch ein Meilenstein, so einleuchtend, so einfach. Im Grunde müsste dieses Buch „Simplify your Life“ heißen. 😉
        Ansonsten geht es mir sehr gut, wenig Zeit, viel Arbeit. Andersherum wäre schöner, aber machste nix dran.

      3. Frau Lohse sagt:

        Ach, von dir ist die neue Seite in meiner Statistik hier, hatte mich schon gewundert, was buntbegeistert ist 😉

  3. Sylvia sagt:

    Sehr gut geschrieben, genau SO geht es mir auch manches Mal! Alles muss perfekt, spektakulär und jaaaa einzigartig sein….warum?! Spricht ein tolles Schnittmuster nicht für sich selbst? Vor allem fällt man auch sehr gerne auf Bilder rein, die schön weit weg fotografiert werden und man weder Bilder von der Rückseite-geschweige denn in der Nahaufnahme sieht! Als ich den Schnitt selbst genäht hatte, wusste ich warum!!!
    Reicht es nicht das uns im Alltag schon so vieles vorgegaukelt wird, was nicht wirklich den Tatsachen entspricht?!

    Deshalb danke ich dir vielmals für deine tollen Worte😘👍🏻

    1. Frau Lohse sagt:

      Hallo Sylvia, das stimmt, ich hab mich auch schon das ein oder andere mal geärgert über bestimmte Schnitte, die auf den Fotos ganz anders aussehen. Auf manches bin ich nun geeigt, aber ich sehe wirklich lieber das genähte Werk und du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, der Schnitt sollte eigentlich für sich selbst sprechen. 🙂 Beste Grüße, Nicole

  4. Silvia Telse sagt:

    Du hast wirklich mal wahr gesprochen! Was mich an diesen Fotos ärgert ist schlicht und ergreifend die Tatsache, dass ich lieber nähe als fotografiere. Ich sitze mit Eifer an tollen Schnitten, die ich durch das Probenähen ausprobieren darf, hier und da noch gern ein wenig kombiniere und überlege, ob ich noch irgend ein nettes feature anfügen kann. Und dann…… soll ich das per Foto zeigen. Ach herrjee, so gar nicht meine Ding, da stundenlang nach irgendeinem Hintergrund zu suchen. Das Gartenmäuerle und ein Stück Holz sind immer für mich da und dann gibt’s entsprechende Bilder. Nur nicht so viel Zeit verplempern, denn es gibt ja schon wieder neue tolle Sachen, die genäht, gestrickt oder gehäkelt werden wollen. Dann sehe ich die Fotos von den anderen und denke ….Oh nein…. das hätte ich doch besser machen können…… Habe eben weder Meer noch Kornfeld vor der Tür…. nur mein Mäuerle und mein Stück Holz, das liebevoll von einem Efeu umschlungen wird. Wem’s nicht passt, der muss dann was sagen. Aber würde ich wirklich etwas ändern? Nein. Schließlich kommt es doch auf meine Handarbeit und nicht auf den background an. Ich stimme dir vollstens zu, liebe Frau Lohse!

    1. Frau Lohse sagt:

      Hihi, deine Webadressenangabe ist ja mal mega. 😀 Ich lach mich weg. Richtig, leider verliert das mit der Handarbeit immer mehr an Wert. Schade.

  5. Eva Marie sagt:

    🙂 wieder mal weise gesprochen, Frau Lohse! 😉 Ich werde auch weiterhin hinter Nachbars Scheune knipsen…. Wenn es das Wetter zulässt. Sonst gibt es ja noch meinen Balkon als überdachte Ausweichlocation.
    Ich wünsche Allzeit festen Stand auf der Treppe ❤
    Liebsten Gruß
    Eva Marie

    1. Frau Lohse sagt:

      Nachbars Scheune eignet sich auch hervorragend, liebe Eva. 🙂 Schön, wenn man so ein privates Plätzchen in der Nähe hat 🙂

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