Wortkotze Tag – Hurra, die Welt geht unter

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Es ist mal wieder Wortkotze Tag.

Im Rahmen der ganzen Flüchtlingsdebatte fällt mir eines wieder sehr stark auf, was mich schon ewig lange stört. Diese Meckerkultur. Dieses „ich krieg den Hals nicht voll!“

Ja unser Leben ist so hart, dass Facebook täglich vollgemüllt wird mit Bildern „mein neues Auto, mein neues Kleid, mein tolles Dinner, meine neue Frisur, mein neuer Nagellack, mein Garten, mein Pool“ und immer so weiter. Da kann man ja schon mal neidisch werden. Oder sich als Herrscher über Leben und Tod aufspielen.

Die hat schon wieder eine neue Bluse, wie macht sie das nur, irgendwas stimmt da doch nicht, das kann sie sich doch mit einem normalen Gehalt gar nicht leisten. Der arbeitet viel weniger für das gleiche Gehalt, das ist doch nicht fair.

Aber wird ja auch langweilig auf die Dauer, wenn es immer das gleiche Schwein ist, das durchs Dorf läuft. Ist doch schön, wenn dann endlich ein neuer Klassenfeind auf die Bühne tritt. DIE kriegen jetzt alles in den Arsch geschoben.

Ja, die Flüchtlinge, davor die Ausländer allgemein und vor Jahren die Ossis kriegen alles in den Arsch gesteckt, während wir soooo hart dafür arbeiten müssen. Es gibt immer andere DIES, aber das Lied bleibt ständig gleich. Und der Song heißt „Übervorteilt fühlen!“

Mal unter uns gesagt, von der Regierung ist noch nie einer zu mir gekommen und hat gesagt, ach, dieses Jahr ist nichts Besonderes vorgefallen, also bekommst du heute einen Scheck über 200 Euro, weil wir es ja nicht für DIE ausgegeben haben, so wie es meine Krankenkasse zum Beispiel tut.

Ja, der „besorgte Bürger“ ist nicht braun orientiert, das vielleicht nicht mal, er hat nur schlicht und ergreifend Angst zu kurz zu kommen. Weil er täglich meint, er arbeitet mehr als der andere, bekommt weniger Geld als der andere und muss darum kämpfen an erster Stelle zu stehen. Sei es auf der Straße, wenn Wege sich kreuzen. Rücksicht, nein, ich zuerst. Nach mir der Rest, das hab ich mir verdient. So! Oder wenn es darum geht, wer die Sporthalle jetzt mehr verdient hat, der Flüchtling oder das eigene Blag, das das Draußen nicht mehr kennt.

Ich weiß auch gar nicht genau, woher das kommt, dieses immer mehr wollen, nie zufrieden sein, immer höher und weiter und schneller und sich immer gestresst, übervorteilt und was nicht alles zu fühlen. Diese Grundunzufriedenheit ist euch in euren Gesichtern abzulesen. Ich arbeite im Kundendienst und jeder zweite Kunde macht die Tür auf und stöhnt. Bevor er „Guten Tag“ sagt. Bombenstimmung hier im Lande.

Ja, es ist auch alles so schrecklich und ärgerlich und überhaupt geht es uns allen so schlecht. Der Strom wird immer teurer und das Wetter ist auch fürn Arsch. Und jetzt auch noch der Flüchtling. Oh Gott, wo soll das noch alles hinführen. Der Blick total verloren für all die Dinge, die man hat. Stattdessen ein stetiges Gemeckere, alles ist schlecht und scheiße, mit Blick auf das Samsung S6Edge gerichtet, denn darunter macht man es ja nicht, Standard weißte. Muss gehalten werden. Urlaub an der Ostsee ist auch sowas von gestern, das geht nicht, müssen mindestens die Malediven sein.

Tagtäglich höre ich Gespräche, bei denen ich mit dem Kopf schüttel, der Pony sitzt nicht richtig, der Oberschenkel zu fett, selbst die belanglosesten Probleme werden so dermaßen ins Negative verkehrt, da wird so richtig schön die Grundstimmung mit angehoben. Und natürlich hat der andere es immer besser. Die Mundwinkel hängen alle runter, es sei denn es gibt den ersten schönen Tag im Jahr mit Sonne mit allem, dann wird plötzlich ausgeflippt und getanzt, aber wehe es ist drei Tage warm, dann geht das Genöle aufs Neue los.

Ich kann es gar nicht anders sagen, als so: Ihr geht mir alle so dermaßen auf den Nerv damit. Mit diesem Jammern auf allerhöchstem Niveau. Mit diesem kollektiven Klassenneid. Mir kommt es zu den Ohren raus.

Ich wünsche mir einen einzigen Tag, ohne irgendein Gemecker, Gezicke, Genöle zu hören. Ob sich mir dieser Wunsch wohl jemals erfüllt?

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anonymous sagt:

    Liebe Frau Lohse, ach is das schön, das du genau meine Worte auskotzt – und das wir scheinbar momentan auch noch die selbe Musik hören 😉 ich versteh die Gesellschaft nich, soll das doch wer will. Ich mach mir keine Gedanken darüber, ob ich mit meinem Handy/Auto oder meiner Kleidung vielleicht nich mehr up to Date bin. Eher darum, wohin das in diesem Land nur führen soll, wenn man so Armen Leuten nicht mal ein Dach überm Kopf, gebrauchte Kleidung und Geld für einen Einkauf im Spzialladen gönnt. Klar könnte es immer mehr sein, was man selbst hat, aber im Endeffekt hat jeder von uns genug um etwas abzugeben!

  2. katja sagt:

    nach diesem tollen beitrag — mit gewohnt sezierendem frau-lohse-blick — wünsche ich mir einfach, jeder tag wäre wortkotzetag! klartext ohne schnick und schnack und auf allen ebenen ist wirklich öfter angebracht, auch wenn alle welt denkt, weiß doch jeder.. ne eben nich. sich den spiegel vorhalten ist nämlich wesentlich schwieriger, als das handy für ein dä… selfie. das ist übrigens ein trend der mich ankotzt! und zwar sowas von ..“kleines grünes kotzesmiley“.. für mich ist das das zeichen, wie se(lbstherrlich)ehr sich alle mit sich selbst beschäftigen..
    ganz dolle grüße und behalte um himmelswillen deine wortkotzeanfälle bei.. vl. monatl.?
    katja

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