Von Knochenköppen und Moppels….

Toleranz ist keine Einbahnstraße oder warum Anti Bodyshaming nur in beide Richtungen funktioniert. Oder was ist überhaupt normalschlank? Und warum Marilyn kein Aushängeschild für Übergewicht ist.

 

Beleidigungen sind niemals schön. Immer wieder liest man von Frauen, dass sie es unmöglich finden, als Moppels (oder andere Begrifflichkeiten ) bezeichnet zu werden und im gleichen Atemzug beleidigen sie aber andere, in dem sie von Tapeziertischen sprechen. Große Aufregung im Hühnerstall.

Toleranz funktioniert allerdings in der Regel nicht nur in eine Richtung. Beleidigung bleibt Beleidigung, egal ob Knochenkopp oder Moppel. So darf sich nur ein jeder selbst bezeichnen, wenn er es denn möchte, aber meist ist es ja auch eher fishing 4 compliments. 😉

Mir geht das furchtbar auf den Nerv, dass ein jeder eine Meinung über einen anderen hat und auch noch der Meinung ist, diese demjenigen ungefragt an den Kopf klatschen zu dürfen. Seit meiner Abnahme meint zum Beispiel jeder, er habe das Recht dazu, meine Figur zu kommentieren. Warum eigentlich? Es ist immer noch mein Körper und kein Mensch hat sich vorher dazu aufgefordert gefühlt, zu sagen „Mensch, Frau Lohse, du bist aber ganz schön fett geworden.“ Außer meiner Mutter. 😛

Ich bin in einem Forum, in dem es viele Menschen gibt, die vor allem aus gesundheitlichen Gründen sehr viele Kilos abgeworfen haben und nun, seit sie sich im Idealgewicht befinden, ständig angegangen werden. Da wird das Essen überwacht, kommentiert, was sie essen oder warum sie keinen Hunger haben, von Magersucht gesprochen. Das macht diese Menschen, die so viel geleistet haben, unfassbar traurig und beschäftigt sie sehr. Denn ihnen ist sprichwörtlich das dicke Fell abhandengekommen.

Gesundheitlicher Aspekt ist das Stichwort. Der verpönte BMI. Den BMI kannst du durchaus schon zu Rate ziehen, sofern du keinen extremen Sport verrichtest und über 18 Jahre alt bist, er wird dir die richtige Richtung zeigen. Und zwar nicht die deines optischen Wohlgefallens, sondern aus dem gesundheitlichen Blickwinkel, betrachtet.

Statistisch gesehen, lebst du eben am gesündesten, wenn du dich als Frau in einem BMI Bereich zwischen 19-24 befindest. Dem sogenannten Normalgewicht.

Da ich ein wunderbarer Statistikdurchschnittsmensch bin mit meinen 168cm, liegt mein Normalgewicht zwischen 54-69kg. Das ist ne ganz schön große Spanne, in der man sich da breit machen kann.

Mein momentaner BMI beträgt knapp unter 22 mit einem Gewicht von 61.5 kg.

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Und ich werde mittlerweile als wenig bezeichnet. Stichwort Wahrnehmung, aber dazu komme ich später noch. Ich befinde mich also ziemlich genau in der Mitte meines Normalgewichtbereiches , mittiger geht eigentlich kaum mehr. Trotz allem ist mein Körper noch zu optimieren, in Richtung Körperfettanteil. Jetzt könnte ich aus gesundheitlichen Gründen also noch hergehen und den Fettanteil austrainieren, optisch würde mich das bestimmt nochmal um 5kg schlanker machen. 😉

Was man jetzt schön findet oder nicht, darf jedem selbst überlassen sein, es gibt ja nun wirklich für alles Menschen, ob dick, dünn, athletisch, Bodybuilder. Jeder hat ein anderes Schönheitsideal und das ist auch gut so. Aber darum geht es nun mal nicht bei den BMI Berechnungen oder bei Statistiken. Es geht nicht um dein optisches Idealbild, es geht um die Gesundheit.

Was mir persönlich am meisten zugesetzt hat, neben meinem alarmierendem Ruhepuls, war, dass mein BMI vor der Abnahme knapp im adipösen Bereich lag. Das war schon schockierend, das heißt, ich war gesundheitlich nicht mehr nur Zielgruppe für den Teufel, sondern er hatte schon eine Hand auf meiner Schulter. Mit adipös verband ich bisher nur diese 3,50m breite Hintern. (Bild mit rosa Shirt) Aber doch nicht mich (Bild drunter)

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Durch Mark und Bein ist mir dann noch dieses gegangen: Stell dir vor, du erleidest irgendeinen Schlag und kannst dich nicht mehr aus deiner Wohnung bewegen und musst gerettet werden. Die Vakuumbahre, mit denen die Sanitäter dich aus der Wohnung holen, hat eine Breite von 55cm, entspricht 110cm Umfang. Ich hatte zu dem Zeitpunkt 114cm Arschumfang. Soll heißen, wenn mir was passiert wäre, hätten die Sanitäter möglicherweise keine notwendigen Rettungsmaßnahmen treffen können, weil ich schlichtweg nicht in diese Bahre gepasst hätte und wäre durch die Zeitverzögerung vielleicht verstorben. Schreckliches Szenario, an dem ich selbst Schuld gehabt hätte. Jaja, wirst du brüllen, dann sollen sie eben die Bahren breiter machen. Die Bahren sind aber auf den Durchschnitt genormt, von Mensch und Flur und mal abgesehen davon, wer soll das bitte alles noch tragen?  Dies mal als kleiner Nebenschauplatz.

 

Wahrnehmung. Oft heißt es ja, dass normalschlanke Frauen heutzutage schon als mopsig bezeichnet werden und führt zu Aufregern. Tatsächlich sind aber diese normalschlanken Frauen oft gar nicht normalschlank.

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Auf diesem Bild habe ich 72,5kg und damit einen BMI von 25,5. Bedeutet leichtes Übergewicht. Kaufgröße 40/42. Das entspricht also so ziemlich der deutschen Durchschnittsfrau. Und damit auch der allgemeinen Wahrnehmung. Leichtes Übergewicht empfinden wir als normal. Ich wurde zu dem Zeitpunkt als schlank empfunden von meiner Umwelt. Man kann sich so wohlfühlen und es ist auch gar nichts dagegen zu sagen, aber es ist und bleibt eben immer noch Übergewicht.

Ja Moooment, wirst du jetzt schreien, aber die Marilyn (166cm), die hatte doch auch die Konfektion und war ne Bombshell.

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Jaja, hatte sie. Die Größe macht aber nun mal niemanden zum Vamp, sondern es ist tatsächlich die Attitüde 🙂 und auch die Konfektionen sind nicht gleich geblieben.

Sie steht für die Idealmaße von 90-60-90, was in den 50er Jahren der Konfektionsgröße 42 entsprach.

Nach der heutigen Burda Maßtabelle (genormte Größentabelle) müsstest du mit diesen Maßen eine 38 mit 34er Taille nähen.

Meine (168cm) Maße liegen aktuell bei 92-69-94 cm, das heißt, ich nähe nach Norm eine 40 mit 38er Taille. (Kaufgröße übrigens 36/38)

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Und wer Bikini Bilder von Marilyn kennt, weiß genau, ah an der war noch genug Fett dran. Marilyn war also tatsächlich „nur“ normalschlank und würde wohl im Grunde zur Knochenkoppfraktion gehören, wenn sie denn ihren Körperfettanteil austrainiert hätte und dient als Gallionsfigur aller Moppels dieser Welt. Bisschen schizo ist das schon, oder?

Viele Kilos verzerren die Wahrnehmung, je dicker du selbst bist, desto normaler kommen dir leicht Übergewichtige vor. Was du schlussendlich aus dir machst oder was du schön findest, bleibt vollkommen dir überlassen. Mir ist das egal, ob du dick oder normal oder dünn bist.

Ausstrahlung ist nämlich der optische Bringer, nicht mehr und nicht weniger. Nicht jede Dünne ist hübsch, nicht jede Dicke ist ist weiblich.

Worauf ich hinaus möchte, ist das:

Was du nicht möchtest, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

Weil jemand also tatsächlich normalschlank ist, ist er noch lange kein Tapeziertisch oder Knochengestell und er möchte von dir nicht beurteilt oder abgewertet oder darauf angesprochen werden. Genauso wie du nicht als mopsig, Moppel oder dick bezeichnet werden willst. So einfach ist das.

Toleranz ist keine Einbahnstraße.

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